Wer sind die Muslimbrüder? on Demonstrations in Egypt

 
Wer sind die Muslimbrüder? on Demonstrations in Egypt
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Welchen Rückhalt haben sie in der Bev?lkerung?
Die Bewegung ist popul?r, weil sie mit ihren sozialen Einrichtungen dort hilft, wo der ?gyptische Staat seine Bewohner alleine l?sst. Die Muslimbrüder sind extrem aktiv, sie dominieren zahlreiche Berufsvereinigungen und Studentenvertretungen. Ihre Mitglieder in ?gypten werden auf etwa 100.000 gesch?tzt. Seit 1984 nehmen sie mit sogenannten "unabh?ngigen" Kandidaten an Parlamentswahlen teil. Den gr??ten Erfolg errangen sie 2005, als sie 88 der 455 Mandate erringen konnten.
Immer wieder versuchten sie, kritische Aussprachen im Parlament über die Politik des Regimes und der Regierungspartei von Hosni Mubarak herbeizuführen. Sie haben sich aber auch in Fragen der Kommunal- und Wirtschaftspolitik eingearbeitet. Das hat den Brüdern in ihren Wahlkreisen zu weiterer Popularit?t verholfen. Es ist allerdings schwer vorherzusagen, wie viele Stimmen die Muslimbrüder bei freien Wahlen erhalten k?nnten. Bisher durften sich in ?gypten andere, nicht religi?s ausgerichtete politische Gruppen, nicht organisieren.
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Schlagworte
Muslimbruderschaft | ?gypten | Protest | Opposition | Hosni Mubarak Wie verhalten sie sich w?hrend der aktuellen Unruhen?
Die ersten Aufrufe der Facebook-Aktivisten zum "Tag de Zorns" begleitete die Muslimbruderschaft mit leisem Applaus, schloss sich ihnen aber nicht an. Erst als sich der Aufstand auszubreiten begann, sprangen die Islamisten mit auf den fahrenden Zug und beorderten ihre Mitglieder auf die Stra?e. Unter den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz fallen die M?nner auf durch ihre typischen B?rte und die Frauen mit ihren Gesichtsschleiern. Die Zahl der Demonstranten, die immer wieder in Rufe "Allah ist gro?" ausbrechen, ist jedoch nur eine Minderheit.
Politisch zahlt sich die bisherige taktische Zurückhaltung allerdings aus. Alle Seiten umwerben mittlerweile die Muslimbruderschaft. Vizepr?sident Omar Suleiman rief sie auf, sich an einem nationalen Dialog zu beteiligen. "Sagt dem Mursched, er soll sich mit uns zusammensetzen", rief Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi der Menge zu, als er sich am Freitag als erstes Mitglied der Regierung auf dem Tahrir-Platz sehen lie?. Gemeint ist Mohammed Badie, der Chef der Islamistenorganisation. Dieser antwortete prompt über den in ?gypten inzwischen verbotenen Fernsehsender Al Jazeera. Man werde an dem nationalen Dialog teilnehmen und sich an einer Regierung der nationalen Einheit beteiligen, versprach er, aber erst, wenn Mubarak nicht mehr im Amt sei, den er einen "korrupten und ungerechten Tyrannen" nannte.
Kommen sie nach Mubarak an die Macht und h?tte das eine Islamisierung zur Folge?
In dem rund fünzigk?pfigen Führungskomitee der "Koalition für Wandel" sind die Muslimbrüder mit vier Abgesandten vertreten. Intern hat ihr Generalsekretariat die Losung ausgegeben, w?hrend der Phase des Machtübergangs nicht offiziell über die Errichtung eines islamischen Staates am Nil zu reden, um die Menschen im Inland und die Regierungen im Ausland nicht zu verunsichern. Kritiker werfen der Muslimbruderschaft vor, ihre wahren Ziele zu verheimlichen – einen islamistischen Staat, Zwangsschleier für alle Frauen und einen Bruch mit Israel.
Es gibt jedoch keinen zuverl?ssigen Einblick in die inneren politischen Beratungen der Organisation. Sie sind geheim, auch gibt es praktisch keine soliden wissenschaftlichen Studien über die inneren Str?mungen. Ideologisch jedoch scheint die ?gyptische Muslimbruderschaft tief gespalten in einen moderaten und radikalen Flügel. Die Spannungen entluden sich vor einem Jahr mit dem überraschenden Rücktritt des langj?hrigen Murscheds Mohamed Akef, dem ersten Rücktritt an der Spitze in der 83-j?hrigen Geschichte der Organisation. "Wir wollen nicht die Macht monopolisieren", versicherte Sprecher Essam el-Erian, der der Führungsriege der Islamisten angeh?rt. "Wir wollen ein Klima von fairem Wettbewerb, was uns endlich erlaubt, bei Wahlen ohne staatliche Repression um die politische Macht zu k?mpfen." Klargestellt haben die Muslimbrüder bereits, dass sie keinen eigenen Pr?sidentschaftskandidaten für die Mubarak-Nachfolge aufstellen wollen. Trotzdem werden sie in einem neuen, demokratischen ?gypten mit Sicherheit zu den pr?genden Kr?ften geh?ren.
 
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